Mal wieder eine Nacht, die vorbei ist bevor sie überhaupt richtig angefangen hat. Der Wecker ist für 3:10 gestellt und ich höre ihn auch. Nach ein paar Minuten bin ich abmarschbereit und rufe ein Uber-"Taxi" zum Flughafen. Das klappt auch zu dieser unchristlichen Zeit und nur wenige Minuten später düsen wir durch quer durch die leere Stadt bis zum weit außerhalb gelegenen internationalen Flughafen. Ich bin die empfohlenen drei Stunden vor Abflug am Schalter und ein paar andere Passagiere auch, aber sonst Fehlanzeige. Erst zwanzig Minuten später kommen ein paar müde Gestalten in Airline-Kluft. An sich ginge der Check-In ganz schnell, aber meine Tasche ist zu schwer - jetzt schon??!! Wie das geht ist mir ein Rätsel, denn eigentlich habe ich noch gar nichts eingekauft. Das wird dann noch spannend beim Flug nach Hause... Heute erlebe ich eine Premiere - das Boardings beginnt 20 Minuten vor dem offiziellen Boardingbeginn und genauso viel früher starten wir dann auch. Ein paar Mal öffnet sich die Wolkendecke und gibt den Blick frei auf Kuna Yala, Jamaica und die Bahamas.
Ansonsten passiert nicht viel auf dem Flug und ein Entertainmentsystem gibt es leider auch nicht. Aber dafür landen wir überpünktlich in Miami. Mir graust´s schon vor der Einreiseprozedur, vor allem mit Stempeln aus Kolumbien und Panama im Pass. Aber es geht alles ganz schnell, die Beamtin "interviewt" mich freundlich und ist dann ganz begeistert, dass ich schon mehrere Male in Kolumbien war. Ihre Familie kommt nämlich auch aus Kolumbien und sie fliegt auch "heim", wann immer sie kann. Das war definitiv die freundlichste Begrüßung, die ich je in den USA hatte. Das Gepäck kommt auch bald und ich werde auch nicht aufgefordert, meine Tasche zu öffnen. Hätte ich nicht gedacht. Gefühlte 10 Kilometer später stehe ich vor dem Mietwagenschalter und plaudere nett mit der Dame am Schalter. Und wemige Minuten später stehe ich vor einer ganzen Herde Mustangs - Ford Mustangs (in der Cabrioversion versteht sich). Ich suche mir einen Schimmel mit Florida-Brandzeichen aus, deponiere das Gepäck in der gar nicht so kleinen "Satteltasche" und mache mich mit meinem Transportmittel für die nächsten Tage vertraut. Automatik ist klar, dann kann ich schon mal üben denn mein "Neuer" zuhause wird auch Automatik haben). Das meiste andere ist auch selbsterklärend und dann bringe ich mit einem Druck auf die Starttaste den Motor zum Blubbern. Just great! Jetzt muss nur noch das Navi zum Hotel in South Beach finden und dann ist alles gut. Selbstverständlich fahre ich gleich das Verdeck runter und dann wage ich mich auf die Interstates, Turnpikes und wie auch immer das Schnellstraßengewirr sonst noch heißt. Und das Navi leistet beste Arbeit. Da haben sich die €35,- für das Kartenmaterial wirklich gelohnt. Die ersten Meilen in Südflorida sind jedenfalls kein Problem. Und der Verkehr ist nicht sonderlich schlimm. Keine zwanzig Minuten später stehe ich vor dem Hotel am Ocean Drive im berühmten Art Deco District von Miami Beachs South Beach. Das Hotel macht einen wirklich guten Eindruck und das Zimmer ist sehr komfortabel. Kein Vergleich mit Panama Stadt! Das Auto wird in der Zwischenzeit für mich geparkt - Valet Parking eben. (Natürlich NICHT im Preis enthalten)
Einen Moment ausruhen, dann frischmachen und South Beach erkunden. Es ist warm, gut 33°C, aber irgendwie hatte ich mir das schlimmer vorgestellt. Es dauert eine ganze Weile, bis ich dann doch noch zu schwitzen beginne. Und South Beach ist ein optischer Hochgenuss. Ein Art Deco-Hotelpalast steht neben dem anderen. Ich spaziere den Ocean Drive entlang in Richtung Norden und kann mich nicht sattsehen.
In einem Telefonladen von AT & T kaufe ich meine neue Handykarte und komme mit Verónica, der Verkäuferin und einer ihrer Kolleginnen ins Gespräch, denn sie hat das Hintergrundfoto auf meinem Handy gesehen und Galápagos erkannt. Verónicas Familie stammt nämlich aus Ecuador. Überhaupt hört man auf der Straße wesentlich mehr Spanisch als Englisch. Eigentlich fühlt es sich noch immer an wie Lateinamerika (mit Bädern, in denen das Klopapier wieder in der Schüssel landen darf). Zurück laufe ich am Strand. Der Atlantik leuchtet in einem unglaublichen Grün und hier sind selbst die Türme der Rettungsschwimmer Art Deco. Ich glaube, ich mag Miami Beach :-)!
Ich lasse mir viel Zeit bei diesem Spaziergang, aber irgendwann stehe ich doch wieder vor dem Hotel. Also ziehe ich die Badehose an, organisiere ein Strandhandtuch und lasse alles andere im Zimmer. Jetzt wird gebadet. Das Wasser ist genauso warm wie in Panama. Herrlich! Nach der Abkühlung schlappe ich zurück zum Hotel und mache mich stadtfein - das nächtliche South Beach will erkundet werden. Die Fassaden sind wunderschön beleuchtet und die Gehwege über und über voll, lauter Latino-Touristen. Und die müssen anscheinend Geld haben, denn wo ich beim Blick auf die Speisekarte zusammenzucke und verschämt weitergehe ($35 für Spaghetti oder Pizza, $28 für einen Cocktail und $75 für Steak, selbstverständlich zzgl. 7% Mehrwertsteuer und mindestens 20% Trinkgeld... das tut weh!). Irgendwann wird der Hunger doch zu groß und so gehe ich zurück zum Hotel, denn nebenan gibt es einen Italiener, bei dem ich als Hotelgast 10% Rabatt bekomme. Hier kostet die Pizza "nur" $25 - und ist wirklich wie in Italien. Zur Feier des Tages genehmige ich mir noch einen Espresso und danach einen Cocktail, dann ziehe ich weiter.
Auf einmal fängt es an wie aus Kübeln zu schütten. Ich stelle mich unter eine Plane und sehe mich schon gezwungen, einen überteuerten Cocktail zu trinken, aber dann hört der Regen so schnell auf wie er angefangen hat. Stattdessen setze ich mich in eine andere Bar und schaue den Millionenwerten auf der Straße hinterher. Noch nie und nirgends habe ich so viele Lamborghini gesehen, dazu jede Menge andere Luxuskarrossen und andere seltsame Gefährte. Sehr unterhaltsam!
Bevor ich das Limit meiner Kreditkarten erreiche, gehe ich dann gegen 2 Uhr morgens zurück zum Hotel und schlafe auch bald ein. Was für ein schöner Tag in Miami Beach! Am nächsten Morgen wache ich erholt auf und gehe frühstücken. An sich nicht schlecht, aber alles ist in Plastik verpackt, die Teller sind aus Plastik, der Kaffeebecher auch, vom Besteck ganz zu schweigen... Muss das sein?!? Die anderen Gäste scheinen zu 85% aus Italien zu stammen. Entsprechend geht es auf der Veranda zu. Nach dem Frühstück zieht es mich raus in die Sonne, die heute vom wolkenarmen, knallblauen Himmel strahlt. South Beach!!! Ich mache einen langen Spaziergang und springe auch ein, zwei Mal in die nicht sonderlich kühlen Fluten. Das ist ja fast wie Urlaub!
| Meine wirklich angenehme Bleibe in Miami Beach - empfehlenswert! |
Um 12 Uhr wird es Zeit auszuchecken und das Auto bringen zu lassen. Jedem noch ein paar Dollar Trinkgeld in die Hand gedrückt und weiter geht´s. Mein nächstes Domizil ist in Fort Lauderdale, wo es etwas günstiger ist. Aber ich will nicht direkt dort hin, sondern das Wetter ausnützen und Floridas berühmtesten "Clothing optional"-Strand Haulover Beach besuchen. Also Daten ins Navi eingegeben und los geht´s mit offenem Verdeck durch das schier endlose Miami Beach.
Die Fahrt dauert gut 45 Minuten und mit ein wenig Hilfe finde ich auch zum Strand. Der ist sehr schön und so bleibe ich auch ein paar Stunden. Zwischendrin gibt es einen Wolkenbruch und alle stellen sich unter, aber kaum einer kommt auf die Idee zu gehen. Scheint also nicht allzu ungewöhnlich zu sein.
| So was gibt´s tatsächlich im tiefen Süden der USA |
Als dann spätnachmittags der nächste Regen aufzieht, fahre ich weiter nach Fort Lauderdale. Das Hotel ist schnell gefunden. Das Zimmer ist okay, aber die Anlage ist wenig ansprechend. Immerhin habe ich dieses Mal eine Mikrowelle im Zimmer - so kann ich die Kosten für Verpflegung minimieren. Und im Supermarkt finde ich Fettucine mit Garnelen in Knoblauch-Tomatensauce. Sehr lecker - und nur $6,99 (plus Steuern). Den Abend (und damit die nächsten 10 Gewitter) verbringe ich im Zimmer auf dem Bett. Auch mal schön!
Weniger schön ist, dass es die nächsten zwei Tage kaum aufhört zu regnen - die Ausläufer eines Hurricanes, der die Westküste erreichen wird. Super! Was kann man da schon anderes machen als zu shoppen. Vorher ziehe ich aber noch in das deutlich schönere Hotel der gleichen Kette gleich gegenüber. Das kostet zwar ein paar Dollar mehr, aber dafür ist das Frühstück mit dabei. Die erste Mall, die ich ansteuere, ist eine der größten der USA, nämlich Sawgrass Mills Mall, eine gute halbe Stunde Fahrt von Fort Lauderdale. Und damit ist der Tag auch schon erzählt. Ich shoppe und laufe und shoppe weiter. Und zum Schluss belohne ich mich in der Cheesecake Factory (nein, Penny war nicht da) mit einem unglaublich mächtigen und ebenso unglaublich guten Mango Key Lime Cheesecake. Kalorien spare ich dann beim Getränk - Coke Zero.
Auch am nächsten Tag schüttet es ununterbrochen. Also besuche ich die lokale Mall und gehe dann ins Kino - Don´t breathe. Der Name ist Programm - ein nervenzerfetztender Psychohorrorthriller. Sehr, sehr spannend. Und das Kino ist super bequem. Ich könnte auch gleich noch was zu essen und zu trinken bestellen, aber mir reicht der Liegesessel. Hoffentlich wird die nächsten Tage das Wetter wieder besser - schließlich geht es morgen in die Everglades und dann weiter nach Key West, zum südlichsten Punkt der (kontinentalen) USA... Aber das ist eine andere Geschichte und wird im nächsten Post erzählt.
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