Dienstag, 6. September 2016

Everglades (30. August)

Heute klingelt mal wieder der Wecker, aber um 8:00 Uhr zu einer humanen Zeit. Die paar Sachen, die ich für die nächsten drei Tage brauche, habe ich gestern schon in meine kleine Reisetasche gepackt. Der Rest bleibt im hier im Hotel - was das Verreisen doch sehr viel angenehmer macht. Nach dem üblichen Frühstück (einer in den USA anscheinend normalen Plastikorgie) bestehend aus Muffin, Obst, Orangensaft und einem auf Kaffee basierenden Heiß(!)getränk checke ich aus und schwinge mich auf bzw. in meinen Mustang. Wobei es nicht ganz so schwungvoll geht, denn es zwickt der Rücken. Das Navi auf "Everglades" gestellt und ab geht´s auf den Florida Turnpike in Richtung Süden. In Miami fahre ich ab auf den Highway 41 mit dem schönen Namen Tamiami Trail (= Tampa to Miami Trail). Etliche Meilen geht es schnurgerade (und bei wenig Verkehr) durch die Wildnis, die nur durch ein paar Kanäle, Plakate für Everglades-Touren und Indianerreservate mit Kasino unterbrochen wird. Das erste Ziel ist Coopertown Airboats. Eine Dame verkauft mir ziemlich lustlos ein Ticket für die nächste Tour. Die 20 Minuten bis dahin vertreibe ich mir mit einer Foto-Erkundung des Acht-Einwohner-"Ortes" Cooperstown.





Ich mache meine Tour zusammen mit einer dreiköpfigen deutschen Familie. Bevor es losgeht sehen wir schon einen Alligator, der auf uns zuschwimmt. Er bleibt aber im sicheren Wasser.


Zuerst erzählt uns ein auch nicht sonderlich motivierter Mitarbeiter was über die Tierwelt und zeigt uns auch ein paar Alligatoren und Schlangen. Einen jungen Alligator dürfen wir dann streicheln, ebenso eine Python. Pythons gehören eigentlich nicht hier her, aber nachdem vor 40 Jahren ein paar Tiere von ihren Besitzern ausgesetzt wurden, gibt es mittlerweile  Millionen der Reptilien - noch vor dem Menschen der größte Feind des Ökosystems.


Und dann geht es auf´s Airboat. Wir bekommen Watte für die Ohren bevor der  "Pilot" den Propeller anwirft und nach einer kurzen Einführung in das Ökosystem Everglades. Die Everglades sind nicht etwa ein Sumpf, denn das wäre ein stehendes Gewässer. Die Everglades fließen aber mit einer Geschwindigkeit von nur 3,5 Kilometer am Tag von Zentralflorida in die Florida Bay im äußersten Süden, sie sind also ein riesiger Fluss in einer Prärielandschaft. Mit dem Airboat geht es in rasanter Fahrt durch die Graslandschaft, aus denen kleine Festlandinseln, sogenannte Hammocks "ragen" Bei der schnellen Fahrt durch die hohen Gräser fliehen Millionen von Libellen. Und hin und wieder lassen sich auch Alligatoren blicken. So eine Airboat-Fahrt macht durchaus Spaß, wenn sie auch nicht sonderlich lehrreich ist. Aber nur so kommt man trockenen Fußes in die Wasserwelt der Glades.












Die Fahrt dauert gute 40 Minuten und dann fahre ich weiter auf dem Tamiami Trail bis zum Everglades National Park. Da muss ich erst einmal Eintritt zahlen und fahre dann weiter zum Shark Valley Visitor Center. Eine 24 Kilometer lange Strecke führt in die verschiedenen Landschaften der Everglades. Ich überlege, ob ich mir ein Fahrrad miete, aber Rückenschmerzen und das schwer einzuschätzende Wetter halten mich letztenendes davon ab. Stattdessen kaufe ich ein Ticket für die Shark Valley Tram, ein Trolleybus der die Strecke in gut 2 Stunden zurücklegt und mit Nature Guide einiges an Informationen verspricht. Der Guide warnt uns, dass mittags im Sommer mit wenig Tiersichtungen zu rechnen sei, denn bei der Hitze bleiben sie lieber im Schatten. Kaum fahren wir los, sehen wir aber auch schon den ersten Alligator. Große Reiher und Ibisse säumen den Weg. Wir sehen Unmengen an Alligatoren, oft Mütter, die eine ganze Schar von Babyalligatoren hüten. 











Die erste Hälfte der Tour endet an einem Aussichtsturm. Auf dem kurzen Fußweg dorthin entdecke ich zur großen Freude aller ein Krokodil (zu unterscheiden vor allem durch die spitze Schnauze). Von denen gibt es deutlich weniger als von Alligatoren. Allzu nahe sollte man ihnen aber auch nicht kommen.




Am Turm sehe ich noch eine kleine Schlange, die durch´s Unterholz und durch das Gras schlängelt, und eine kleine Spinne. Für nahezu jeden Phobiker wird hier etwas geboten!





Der Blick vom Turm macht die immensen Dimensionen der Everglades deutlich.



Als alle wieder zurück am Trolleybus sind, fahren wir auf einer anderen Straße weiter und sehen noch sehr häufig Alligatoren. Auf einmal fängt es an zu schütten - da habe ich wohl die richtige Entscheidung getroffen. Außerdem werden die Rückenschmerzen immer schlimmer. Ich versuche eine erträgliche Sitz-/Flegelposition zu finden.






Baby-Alligatoren
Plötzlich sehen wir einen großen Alligator am Wegesrand - und er hat etwas im Maul. Die Urzeit-Echse hat sich wohl gerade eben erst eine Schildkröte geschnappt. Noch scheint sie unverletzt, aber damit wird es sehr bald vorbei sein.



Die Tour war wirklich sehr interessant und schön. Ich bin richtig froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Aber ich bin auch froh, wieder aussteigen und mich aufrichten zu dürfen. Wobei das Einsteigen in den tiefliegenden Sportwagen heute auch nicht sonderlich sportlich-dynamisch aussieht... Die Fahrt ins ca. eine Stunde entfernte Florida City ist eine Tortur. Im Motel werde ich sehr herzlich willkommen geheißen und das Zimmer ist top. Ich schmeiße Schmerzmittel ein und  lege mich erst einmal hin. Ich vermeide jede Bewegung, was gut tut.



Eigentlich will ich am liebsten gar nicht mehr einsteigen, aber irgendwann meldet sich der Hunger. Trip Advisor zeigt mir den Weg zu einem Thai-Restaurant in der Nähe. Das Essen ist super und die Preise fast wie in Deutschland (in Miami und Fort Lauderdale sind die Essenspreise nämlich mehr als happig!). 



Nach dem Essen fahre ich wieder nach Hause, aber ich komme nicht weit, denn ich fahre an einem Aldi vorbei. Ich war noch nie in einem amerikanischen Aldi... Also halte ich an und schaue mich um. So manches kennt man von zuhause. Aber die Preise sind trotzdem happig. Choceur weiße Schokolade mit Kokos kostet hier $4,99. Das spare ich mir. Aber interessant ist es trotzdem. 



Im Hotel lege ich mich auf´s Bett und schaue Golden Girls auf dem Hallmark Channel bis ich dann gegen Mitternacht (hoffentlich) die nötige Bettschwere habe.



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